Die Hochzeitsfotografin als Überraschung buchen - geht das?

Hin und wieder erreichen mich Anfragen von ganz lieben Menschen, die “mich” gerne als Überraschung an ein Brautpaar verschenken möchten. Eine tolle Idee! Aber geht das überhaupt? In diesem Blogpost erfahrt ihr alles, was ihr dazu wissen müsst. Denn ganz so einfach ist das nicht - die kurze Antwort lautet “Jein”.

Meist werde ich als Überraschung für kleine standesamtliche Begleitungen angefragt und der Plan sieht wie folgt aus: Ich soll unangekündigt beim Standesamt auftauchen, die Trauung begleiten und anschließend noch Gruppen- und Paarfotos machen. Das perfekte Hochzeitsgeschenk, oder? Nicht ganz, denn dabei gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten.

1. Datenschutz & DSGVO

Die größte Hürde stellt der Datenschutz dar. Ich bin, wie alle Fotograf*innen, dazu verpflichtet vor der Aufnahme das Einverständnis der Personen einzuholen, die ich fotografiere und eine entsprechende Datenschutzerklärung vorzulegen. Daher ist es für mich nicht möglich, ohne das Wissen und Einverständnis des Brautpaars zu fotografieren.
Leider kommt es manchmal vor, dass darauf mit wenig Verständnis reagiert wird, nach dem Prinzip “Dann buchen wir eben jemanden, der sich nicht so anstellt”. Lasst euch eines gesagt sein: Jede*r seriös arbeitende Fotograf*in wird euch darauf hinweisen und auf das Einverständnis des Brautpaars bestehen. Denn alles andere ist schlichtweg nicht erlaubt.

2. Die Stilfrage

Ich fotografiere und bearbeite meine Bilder in einem charakteristischen Stil und nicht jedem gefällt mein warmtoniger, erdiger Look. Manche Brautpaare mögen es sehr hell und pastellig, andere wiederum stehen eher auf ganz puristische Farben. Für jeden Topf gibt es auch einen passenden (fotografischen) Deckel und mir ist wichtig, dass ich der passende Deckel für das Brautpaar bin. Daher ist es nur von Vorteil, wenn die beiden vorher mal einen Blick auf meine Arbeit werfen können.

3. Möchte das Brautpaar überhaupt fotografiert werden?

Diese Frage sollte man sich auf jeden Fall stellen. Vielleicht haben sich die beiden bewusst gegen eine fotografische Begleitung entschieden und möchten den Moment ganz unbeobachtet genießen. Oder sie fühlen sich vor der Kamera überhaupt nicht wohl und die so schön geplante Überraschung bringt sie in Verlegenheit.

4. Die Chemie muss stimmen

Hättet ihr gerne jemanden bei eurer Hochzeit dabei, den oder die ihr nicht so wirklich leiden könnt? Wahrscheinlich eher nicht. Es klingt vielleicht doof, ist aber so: Die Bilder werden besser, wenn sich das Brautpaar mit mir zu 100% wohlfühlt - und andersrum! Auch ich möchte gerne wissen, ob wir auf einer Wellenlänge sind. Um die emotionalen, intimen Momente einer Hochzeit gefühlvoll und authentisch festzuhalten, braucht es gegenseitige Sympathie und Vertrauen - und ob das gegeben ist, kann man wunderbar bei einem unverbindlichen Kennenlerngespräch herausfinden.

5. Bringt es den Zeitplan durcheinander?

Ganz wichtig - Fotos benötigen Zeit! Vor allem wenn anschließend Gruppen- und Paarfotos gemacht werden sollen, müssen diese in den zeitlichen Ablauf integriert werden. Für das Brautpaarshooting sollte man mindestens (!) eine halbe Stunde einplanen und Gruppenfotos können, je nach Größe der Hochzeitsgesellschaft, auch ganz schön viel Zeit benötigen. Meist wird ein großes Gruppenfoto gemacht, danach Fotos mit den jeweiligen Eltern und Großeltern, mit beiden Familien, den Trauzeugen, der ganzen Verwandschaft, den Freunden und und und… Da kommt einiges zusammen.

6. Die Coronabeschränkungen

Last but not least, ein Punkt den wir hoffentlich bald hinter uns lassen können. Aktuell stellt sich noch die Frage, ob ich als Fotografin mit ins Standesamt darf. Das wird von jedem Standesamt individuell geregelt und auch wenn ich bisher das große Glück hatte, immer mit rein zu dürfen, ist dies unbedingt vorher abzuklären und muss ggf. angemeldet werden.

Ihr seht also, ganz so einfach ist euer Vorhaben nicht. Aber auch nicht unmöglich! Das Brautpaar wird sich mit Sicherheit auch riesig freuen, wenn ihr die Überraschung vor der Hochzeit ankündigt. Wahrscheinlich sogar noch ein bisschen mehr, weil ihr ihnen damit die Möglichkeit gebt, ihre Wünsche und Vorstellungen mit mir abzusprechen. Die Preise können wir dabei natürlich gerne “geheim” halten, damit ihr nicht alle Karten auf den Tisch legen müsst. Ich kläre dann lediglich das Rechtliche mit dem Brautpaar und alles Weitere läuft über euch.
Meldet euch bei mir, wenn ihr eine kleine oder große Fotoreportage verschenken möchtet und wir planen das gemeinsam. ♥

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