Sarah & Rand – Wie Liebe jede Distanz überwindet.

Sarah & Rand sind vielleicht das ungewöhnlichste Pärchen, welches ich bisher vor der Linse hatte. Die beiden trennen nicht nur tausende Kilometer, sondern auch so einige Jahre. Doch sie verbindet eine unerschütterliche Liebe und eine großartige gemeinsame Geschichte. Nach unserem Paarshooting in Berlin durfte ich Sarah ein paar Fragen stellen, um diese für euch zu erzählen.

Hej Sarah! Danke, dass ich dich mit ein paar Fragen löchern darf. :) 

Hallooo!

Fangen wir doch gleich mal mit der wichtigsten Frage an: Wie habt ihr zwei euch denn eigentlich kennengelernt?

Das ist fast 3 Jahre her. Ich war auf einer viermonatigen Soloreise durch die USA und er war einer meiner Couchsurfing-Hosts. Als ich dort sein Profil gesehen habe, dachte ich: “Was für netter, älterer Herr. Da ist es bestimmt sicher für eine alleinreisende Frau”. Außerdem machte mich sein Text neugierig, weil er offenbar schon um die ganze Welt gereist war und wir viele ungewöhnliche Interessen gemeinsam hatten.

Dein erstes großes Abenteuer hab ich damals gebannt auf deinem Blog (Schaut da unbedingt mal rein!) verfolgt und immer wieder deinen Mut bewundert. Wie war es dann, als du bei ihm warst? Erzähl, wie es mit euch weiterging!

Er war der beeindruckendste Mensch, den ich auf der ganzen Reise getroffen habe. Er wohnt in den Rocky Mountains und wir ware drei volle Tage nur im Yellowstone Nationalpark unterwegs. Er wusste unfassbar viel über Geologie, Tiere, Fotografie. Mit niemandem habe ich so viel gelacht und gestaunt. Ich habe ihm schon nach zwei Tagen Dinge erzählt, die ich anderen nicht nach zwei Jahren erzählen würde. Da war eine ganz wunderbare Chemie, als würden wir uns schon ewig kennen. Nach 5 Tagen ging meine Reise Richtung Chicago, Ostküste, weiter. Als ich von ihm wegfuhr, habe ich geheult wie bekloppt und wusste nicht wirklich, warum. Ich hatte schließlich auch andere, nette Gastgeber gehabt. Aber ich wusste dass ich - als ein Mensch der sich nie irgendwo heimisch gefühlt hat - auf einmal das Gefühl hatte, zu Hause angekommen zu sein.

Er bat mich, mir ab und zu eine Mail zu schreiben mit Fotos von meinem restlichen Trip. Das habe ich auch gemacht. Unsere Mails wurden dabei immer länger. Als ich wieder in Deutschland war (August 2017), haben wir nicht aufgehört zu schreiben. Ich hatte eine Menge Trouble, da ich auf einmal mental nicht mehr zurück in einen Vollzeit-Bürojob konnte. Er war in dieser Zeit immer für mich da. Wir sprachen über Perspektiven, über Politik, Religion, Bücher… Ich hatte noch nie jemanden, mit dem ich so tiefe Gespräche führen konnte. Anfang 2018 habe ich mich dann als Texterin selbstständig gemacht. Zu dem Zeitpunkt schrieb er mir, dass er eine Europareise im April plant und dabei auch nach Berlin kommen würde. Ich fand das klasse und wir wollten uns dort für ein paar Tage treffen. Doch kurz vor der Reise, hat er sich bei irgendeinem Blödsinn den Rücken so ruiniert, dass er am Ende die Reise absagen musste, weil er mit den Schmerzen nicht 20 Stunden im Flugzeug sitzen konnte. Ich bin darüber total ausgerastet, weil ich ihn wirklich gern als Freund wiedersehen wollte. Da ich mit meinem neuen Job große Freiheiten habe, da ich von überall auf der Welt arbeiten kann, bin ich ins Reisebüro gestürmt und habe spontan einen Flug zu ihm für Oktober gebucht. Hauptanlass war, dass er halt schon was älter ist und meine Oma vor 5 Jahren urplötzlich über Nacht an einem Schlaganfall gestorben war, ohne Vorwarnung und ohne Verabschiedung. Ich hatte immer gedacht, wir hätten noch so viel Zeit. Und deshalb wollte ich diesen Fehler nie wieder machen.

Also bin ich im Oktober zu ihm für 2 Wochen. Dort waren wir dann die ganze Zeit unterwegs, haben super viel geredet und gelacht und hatten ein kleines Kartenspiel dabei. Dort musste man sich gegenseitig Fragen stellen, die immer persönlicher wurden. Von “Hund oder Katze?” bis hin zu “Wovor hast du im Leben am meisten Angst?”. Wir setzten als Spielregeln, dass wir absolut ehrlich sein müssen. Es gab keine Ausrede. Gegen Ende der zwei Wochen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass ich abends albern giggelnd in meinem Zimmer stand und mich fühlte, als wäre ich 15. Aber ich wusste, dass das ja nicht sein konnte. Er war viel zu alt, viel zu weit weg und hat außerdem noch eine komplizierte Familiensituation. Ich versuchte mir auszureden, dass da etwas war. Lustigerweise ging es ihm ungeahnt genauso. Am letzten Abend kam eine der letzten Fragen. Wir fuhren auf der Straße und die Sonne ging unter. Die Frage war: “Wenn du heute sterben würdest und keine Chance hättest, mit irgendwem zu sprechen, was würdest du am meisten bereuen, nicht gesagt zu haben?” Er war der erste, der Antworten musste. Er überlegte eine Weile und ich bekam Panik, dass er etwas sagen würde, was ich auch fühlte aber was halt einfach sooo unrealistisch war!
Und dann sagte er: “Sarah, I love you.” Ich war total fertig und wusste nicht, ob ich das erwidern konnte und sollte.
Ich hatte niemals zuvor in so einer Kategorie gedacht. Zwischen uns lagen nicht nur 10 oder 20 Jahre. Ich eierte also herum und sagte ihm schließlich, dass ich darauf erstmal klarkommen muss. Später meinte er zu mir, dass er mir das nie gesagt hätte, wenn wir nicht geschworen hätten, immer ehrlich zu sein.
Am nächsten Tag hat er mich zum Flughafen gebracht. Dort haben wir uns nur umarmt und ich bin weg.

Ich war 30 Stunden unterwegs und hatte W-Lan im Flugzeug. Wir haben die ganze Nacht durchgeschrieben. Was jetzt mit uns ist. Dann haben wir festgestellt, dass wir uns in diesem Jahr nochmal sehen müssen. Um das zu klären. Ich wusste, ich hatte mich total in seine wundervolle Persönlichkeit verliebt aber ich war mir nicht sicher, wie das alles funktionieren sollte. Es war total schräg, weil man ja sonst immer jemanden sieht, gut findet und DANN die Persönlichkeit kennenlernt. Und bei uns war es andersherum.
Schließlich haben wir uns geeinigt, dass er im Dezember nach Paris kommt. Weil er meinte, selbst wenn es schiefgeht, dann “we will always have Paris”, wie im Film Casablanca. In Paris war ich dann einen Tag eher als er und bin dann nachts um 3 Uhr 5 km zu Fuß durch die Stadt, um ihn am Flughafen zu überraschen. Sein Flieger kam um 6 Uhr an und es fuhren noch keine U-Bahnen. Dort habe ich mich mit einem bekloppten Schild hingestellt auf dem stand “Waiting for my wunderfully nuts boyfriend”. Als er dann aus dem Gate kam und mich sah, ist er einfach nur auf mich zugelaufen und wir haben uns geküsst. Damit war dann irgendwie innerhalb von einer Sekunde klar, was Sache war.

Jetzt hab ich Pipi in den Augen, das ist so wundervoll! Wirklich wie im Film.
Aus anfänglicher Freundschaft wurde also Liebe, trotz aller Umstände. Und es ist bestimmt nicht leicht, so weit von einander entfernt zu wohnen. Wie meistert ihr eure Fernbeziehung und wie oft schafft ihr es, einander zu sehen?

Wir meistern das ziemlich gut, weil er aufgrund seines Alters nicht mehr arbeitet und ich digitale Nomadin bin. Das heißt, wenn wir nicht zusammen sind, schreiben wir uns die ganze Zeit über Whatsapp, nehmen uns gegenseiting mit zum Einkaufen und sind eigentlich immer in Kontakt. Und wenn wir zusammen sind, haben wir ganz viel Zeit. Ich habe ein sechsmonatiges Visum für die USA für die nächsten 10 Jahre und kann deshalb übers Jahr verteilt oder am Stück 6 Monate zu ihm. Und dann kommt er auch immer wieder zu mir. Leider nicht ganz so lange, wegen seiner Familiensituation. Aber im Grunde sehen wir uns an 7-8 Monaten im Jahr.
Außerdem sind wir beide ziemlich gut darin, auch allein unser Ding zu machen und versacken nicht zu Hause vor Trauer ohne den anderen.

Das klingt ja wirklich gut! Toll, dass ihr das so gut hinbekommt. Aber in der aktuellen Situation ist das natürlich alles andere, als einfach. Ihr bekommt die Auswirkungen der Coronakrise sicher besonders stark zu spüren?

Corona hat alles durcheinander gebracht, was nur ging und eine absolute James-Bond-Geschichte verursacht. Wir wollten uns eigentlich für 2 Wochen in Island treffen und einen Roadtrip machen. Dann kam das Virus. Erst machten die USA für Europäer dicht, dann gingen auch in Deutschland die Grenzen runter. Aus Angst, dass wir uns jetzt monatelang nicht mehr sehen würden, bin ich super spontan über Nacht nach Kanada, da das zu dem Zeitpunkt mit das einzige Land war, das uns noch beide reinließ. Dort mussten wir wieder umdisponieren, weil plötzlich auch die Grenze USA/Kanada dichtgemacht wurde. Mein Freund ist also ebenfalls über Nacht mit dem Auto noch rüber und wir konnten wenigstens 2 Wochen - in Isolation - in der Wildnis von Kanada verbringen. Als wir so 14 Tage 24 Stunden aufeinander saßen, haben wir festgestellt, dass unser einziges Problem war, dass wir nicht genug Kartoffelchips hatten. Ansonsten hätten wir ewig so weiter in unserer kleinen Holzhütte leben können. Ich habe dann noch versucht, mit ihm in die USA zu kommen, wurde aber abgewiesen, weil zu dem Zeitpunkt nur noch Staatsbürger oder Verheiratete reingelassen wurden, was wir leider noch nicht sind. Manchmal ist das Leben echt ein Arsch. Jetzt muss ich zurück nach Deutschland und er ist in den USA, weil ein dauerhaftes Leben in einem Drittstaat auch ohne alle anderen Umstände irgendwann zu teuer wird. So sitzen wir 8.000 km voneinander getrennt und warten die nächsten Wochen in totaler Ungewissheit, wann wir wieder legal zueinander dürfen. Eine Situation, die wir natürlich so nie erwartet hätten und die alles noch komplizierter macht. Aber wir haben uns ja jetzt mehr als einmal bewiesen, was wir füreinander geben würden und wie wichtig uns unsere Liebe ist. Also übersteht sie auch das!

Ich finde es so wundervoll, was ihr beide bereit seid, für einander zu tun. Und ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr euch bald wiedersehen könnt!
Du hast es vorhin schon erwähnt: Eure Liebe hat nicht nur Landesgrenzen überwunden, auch beim Alter liegt eine gewisse Distanz zwischen euch. Darf ich so indiskret sein und fragen, wie viele Jahre es sind?

Klar, das ist eine berechtigte Frage und es gibt keinen Grund, das zu verheimlich. Es sind 45 Jahre. Ich denke, das ist für viele unvorstellbar aber es war für niemanden mehr unvorstellbar, der uns zusammen erlebt hat.

Das kann ich genau so unterschreiben! Ihr seid so süß zusammen und man merkt euch den Altersunterschied überhaupt nicht an. Aber auf dem Papier ist das natürlich eine Hausnummer und ich kann gut verstehen, dass du zu Beginn eurer Beziehung erstmal darüber nachdenken musstest. Werdet ihr deswegen manchmal schief angeschaut?

Ich denke schon - aber wir waren beide schon immer etwas anders und sind über den Punkt hinaus, dass wir noch wirklich hinsehen, wie andere schauen. Es ist im Leben wichtig, seinen Überzeugungen treu zu bleiben, auch wenn sie unkonventionell sind und sich nicht von anderen und was sie für normal oder richtig halten verunsichern zu lassen. Das Wichtigste ist, dass jeder einzelne glücklich ist. Egal wie.
Es gibt aber schon lustige Situationen, vor allem im ÖPNV. Ein älterer Mann, der mit seiner brummeligen Frau im Gang steht und dann plötzlich schnallt, dass ich nicht die Tochter bin und vermutlich mal wieder über seine Ehe nachdenkt. Eine Dame, der es ein ehrliches Lächeln ins Gesicht zaubert, uns zu sehen, weil sie sich vielleicht an ihre Jugend erinnert. Einmal hat tatsächlich jemand blöd geguckt und da meinte Rand: “Der ist nur neugierig, wie viel ich dir bezahlt habe. Aber so viel Geld hat er gar nicht!” Danach haben wir uns schrottgelacht.

Haha, das ist genau die richtige Einstellung! Ich könnte mir auch kaum vorstellen, dass ihr zwei sowas anders, als mit Humor nehmt.
Habt ihr denn schon Pläne für eure gemeinsame Zukunft geschmiedet?

Jaaa, wir haben große Pläne. Wir sind schon verlobt und wollen unbedingt heiraten, sobald sich ein paar andere Probleme - neben Corona - gelichtet haben. Darüber besteht kein Zweifel. Wir wissen sogar schon das Datum - nur ohne Jahr - und ungefähr wo. Und unserer Hochzeitsfotografin kennen wir auch schon! ;)
Dann wollen zusammen ein Haus bauen, weil Rand ein Grundstück an den Bergen hat. Am liebsten ein Holzhaus im minimalistischen Stil und einer Menge Selbstversorgung durch Solar- und Windenergie. Dort, wo er lebt, gibt es mehr als 300 Sonnentage und reichlich Wind. Dann wollen wir davor oder danach einen Van umbauen und gemeisam die Panamericana fahren. Vielleicht legen wir mit dem Auto-Umbau diesen Sommer schon los, wenn Corona uns lässt. Eigentlich hätten wir auch gern 20 Katzen aber das ist wohl nicht drin bei so vielen Reiseplänen.

Wow, da habt ihr euch einiges vorgenommen! Und die 20 Katzen könnt ihr euch ja immer noch anschaffen, falls euch mal die Reiselust vergehen sollte. Wobei, ist das überhaupt möglich? Und wohin wollt ihr unbedingt noch zusammen reisen, welche Orte stehen auf eurer Bucket List?

Die Bucket List ist so ein anderer, wundervoller Punkt. Wir haben wahnsinnig viele Gemeinsamkeiten gefunden, was fast schon unheimlich war. Wir möchten unbedingt nach Peru zu Machu Picchu, nach Indien zum Taj Mahaj, nach Nepal, nach Island - vor allem wegen der Nordlichter - und nach Patagonien.

Bei so vielen tollen Plänen wird euch sicher nicht langweilig. Ich warte schon gespannt darauf, eure weiteren Abenteuer auf deinem Blog verfolgen zu können!
Danke, dass ich dich ausfragen durfte und du meinen Lesern und mir so offene und spannende Einblicke gewährt hast. Ich wünsche euch beiden von Herzen alles Gute, dass ihr all eure Pläne und Träume verwirklichen könnt und freue mich schon sehr darauf, euch vielleicht in einem ungewissen Jahr an einem bestimmten Datum und einer ungefähr feststehenden Location wiederzusehen. :)

Ich danke dir für deine Zeit. Es hat echt Spaß gemacht und mich nochmal daran erinnert, was für einen verrückten Scheiß wir schon durchgemacht haben. Es war eine schöne Zeitreise auch für mich. ♥

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